Warum recherchiert man die Geschichte eines längst aufgegebenen Sanatoriums?

Im Jahre 1889 erlaubte das Invalidenversicherungsgesetz den Landesversicherungsanstalten erstmals, in Vorbeugung der Invalidität selbst spezielle Heilbehandlungen durchzuführen. Sechs Jahre später, 1895, errichtete die Landesversicherungsanstalt Hannover die allererste Lungenheilanstalt auf dem Königsberg bei Goslar. Und dort oben, hoch über der Stadt, stehen die traurigen Reste dieser Anstalt noch heute, seit Jahren ungenutzt und von Bewuchs, Wetter und Vandalismus deutlich gezeichnet.

 

Postkartenmotive: Genesungsheim Königsberg um 1910 (links) und 1939 (rechts)

 
Mit einer Art kindlicher Begeisterung für neuzeitlich-archäologische Streifzüge war ich im Herbst 2005 erstmals auf dem Gelände. Es war eine schaurige Atmosphäre, die von einem verlassenen Sanatorium ausgeht. Die Architektur und (teils) noch vorhandenen sanitären Anlagen versprühten den Charme längst vergangener Zeiten und ließen Gedanken aufkommen, wie der Alltag hier wohl abgelaufen sein mag. Leere Fenster, hinter denen sich einst persönliche Schicksale abgespielt haben, schienen einen zu beobachten, während man das zugewachsene, fast 50.000 m² große Gelände erforscht. Bunte Wände mit niedlichen Figuren deuteten auf die letztmalige Verwendung als Kinderheim hin, und eine ungewöhnlich niedrige Gehhilfe zwischen dem hoch gewachsenem Gras erinnerte an Einzelschicksale, deren Leben die Anstalt einst maßgeblich geprägt haben wird.

Verlassen und vergessen: das Sanatorium im Herbst 2005 (eigene Fotos)

Heilanstalt-Archäologie

Mit den unterschiedlichen Gefühlen und Gedanken im Gepäck habe ich in jenem Herbst beschlossen, mehr über das Sanatorium in Erfahrung zu bringen. Und musste feststellen, dass unser globales Wissensnetzwerk Internet damals erstaunlich wenig über die Einrichtung hergab - im Grunde gar nichts. Ein Fakt, der meinen Antrieb zur Heilanstalt-Archäologie nur noch stärkte.

Hinzu kommt, dass sich um diese Anlage zahlreiche Gerüchte ranken und in Goslar Schauermärchen und Gruselgeschichten kursieren. Und scheinbar sind diese nicht allein auf die derzeit unheimliche Atmosphäre auf dem Gelände zurückzuführen. Ab 1974 wurde die Anstalt als Heim für geistig behinderte Kinder geführt - und das offenbar auf erbärmliche Weise. Es stand nur sehr wenig Geld für Speisen und Instandhaltung zur Verfügung, und das Betreiber-Ehepaar soll regelrecht "geherrscht" haben. Entsprechend schlecht war der Zustand der technischen und sanitären Anlagen - so schlecht, dass sogar Angestellte vertraglich festgehaltenes Fotografie-Verbot hatten.

Nachdrücklich angemerkt: all diese Informationen sind umhergeisternde Gerüchte, aber sie untermauern die Faszination, die von dem Sanatorium und der Schicksale seiner Bewohner ausgeht, nur um so mehr.

Daher versuche ich auf diesem Wege, Kontakte zu knüpfen mit Zeitzeugen oder in irgendeiner Weise an der Geschichte des Heims beteiligter Personen. Bitte setze dich mit mir in Verbindung - ich bin für jeden Hinweis und jede Anekdote dankbar.

 

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